18. Jahrhundert 

Einarbeitung in die Thematik

 

Nachdem seit der Mitte des 16. Jahrhunderts Spanien die europäische Mode maßgeblich bestimmt hatte, wuchs mit der Regentschaft Ludwigs XIV. der französische Einfluss enorm. Versailles wurde zum Zentrum der Modeentwicklung. Bereits ab 1650 tauchten die ersten Modekupfer auf und sorgen so für eine sehr schnelle Verbreitung der neuen Formen. Diesen waren zum Teil sogar Stoffmuster angehängt, so dass die Dame oder der Herr von Welt eine sehr genaue Vorstellung erhielten, was in Frankreich getragen wurde.  

 

Später gegen Ende des 18. Jahrhunderts drehte sich der Spieß um und Frankreich blickte gen England für die neuste Mode. Die Informationen holte man sich oft in Modejournalen. Außerdem bürgerten sich Ende des 18.Jh. auch erstmals Produktnamen ein, die oft mit Farben verbunden waren. Hörte man also einen Namen, konnte man daraufhin auch auf die Farbe schließen (obwohl die Bezeichnungen wohl teilweise recht unsinnig und abwegig waren).

 

Mehr erfahren Sie in den PDFs: 

Männermode 18.Jh.pdf [ 259.9 KB ]
Frauenmode 18.Jh.pdf [ 260.3 KB ]

 

Kinder

Kinder- und Erwachsenenmode unterschieden sich im Barock und Rokoko kaum voneinander. Auf diesem Bild ist gut zu sehen, dass am Kinderkleid hinten zwei Bänder am Rücken angenäht sind (Gängelbändchen). Das ist kein Anlehnung an die Francaise oder dergleichen, sondern für die Gouvernante gedacht, die daran ziehen kann, um das Kind am Fallen (oder Weglaufen) zu hindern.

Robe á l'Anglaise mit Option für Robe á la Polonaise 

Für verschiedene Anlässe, die in diesem Jahr anstehen entstand nach einem Schnittmuster von J.P. Ryan eine Anglaise, die mittels Bändern zur Polonaise gerafft werden kann.

 

Robe á l'Anglaise mit Polonaiseoption
Robe á l'Anglaise mit Polonaiseoption

 

Näheres zur Herstellung des Kleides finden Sie hier:

 

Dazu gibt es ein Fichu, also das Halstuch, das den Ausschnitt züchtig bedecken soll. Dieses besteht aus einem einfachen Dreieck, welches wir aus Seidenchiffon gearbeitet und mit der Hand umsäumt haben. Später soll noch eine bestickte Variante entstehen.   

Bestickte Rokoko-Herrenausstattung 

2013 auch ein aufwändiges Herrenoutfit um 1770. Dieses haben wir lange als Aktuelles Projekt dokumentiert und inzwischen zur PDF gemacht. Darin können Sie die Schritte wieder in Wort und Bild verfolgen. 

 

Rokoko um 1770


 

Robe á la Francaise, oder: Das Rubinrot-Kleid! 

Die Inspiration für dieses Kleid stammt von der Rubinrot-Trilogie von Kerstin Gier. Kostümtechnisch zugegebenermaßen nicht unbedingt die wissenschaftlich wertvollste Quelle, aber sehr unterhaltsam und schön geschrieben und voller Inspiration für neue Projekte! Streng genommen stammt das Kleid aus dem zweiten Buch "Saphirblau", bei dem die Protagonistin in einem roten Kleid auf einer Soirée im Jahr 1782 zu Gast ist. Die Beschreibung ist recht kurz gehalten: dunkelrote besticke Seide, winzige Seidenröschen am Ausschnitt. Egal, reicht aus! Hier die Skizze:

 

Entwurf für das Soirée-Kleid

 

Hinterher betrachtet ist der Entwurf und die Umsetzung allerdings eher in die 17060er/1770er Jahre zu datieren, weil Francaisen in den 1780ern eigentlich schon weitestgehend aus der Mode gekommen waren.

Da man für eine Robe á la Francaise je nach Verzierungsgrad 10 bis 12 Meter Stoff braucht, kam Seide nicht in Frage, deswegen haben wir sie gegen Polyestertaft ausgetauscht, der aber einen schönen Stand und Griff hat. Außerdem ist das Kleid dadurch wetterfest, was sich bereits als vorteilhaft herausgestellt hat. Die grünen Schleifen sind ebenfalls aus Polyestertaft. Die winzigen Röschen mussten bei uns selbstverständlich blau sein!

 

Hier die Umsetzung:

die Rubinrot-Francaise

die Watteaufalten

Darunter ist eine Chemise, eine Schnürbrust sowie ein Panier double. Darüber ist noch ein weißer Unterrock, damit die Stäbe des Paniers sich nicht auf dem Kleid abzeichnen. Das Kleid ist nach einem Schnitt von J.P.Ryan entstanden und sieht einen "Unterstecker" vor. Darauf wird dann ein verzierter Stecker mit Nadeln gepinnt. Der Vorteil davon ist, dass man mehrere Stecker-Varianten machen und diese beliebig austauschen kann. Hier der Stecker einzeln:

 

der Stecker der Rubinrot-Francaise

 

 

Weitere Impressionen gibt es in der Galerie "Schlossfest Delitzsch 2014".

 

Und für Rubinrot-Fans noch ein kleiner Bonus: Eine Skizze für das Ballkleid aus dem dritten Buch "Smaragdgrün". Vielleicht wird das ja auch noch irgendwann was....

 

Skizze für das Ballkleid

 

Schwarzes Rokoko für den Herrn

Für dieses Gewand haben wir historische Schnitte verwendet und umgearbeitet. Für die Weste nahmen wir eines von LACMA (drittes Schnittmuster). Diese besteht aus rot-schwarzer Seide mit Blumenmotiv. Messingfarbene Knöpfe zieren die Front. Für den Mantel (genannt Just au Corps) wurde der gleiche schwarze Polyestertaft wie für das zugehörige Kleid verwendet.

Rokoko-Weste
Rokoko-Weste

Gesamtoutfit schwarzes Rokoko
Gesamtoutfit schwarzes Rokoko

Zwischen Außenseite und Futter befindet sich außerdem noch eine Zwischenlage aus Leinen, wodurch der Just au Corps verstärkt wird und somit besser fällt. Verziert wird er vorn von einer breiten Spitzenborte. Taschen und Kragen sind schwarz bestickt.

 

Taschenstickerei 1
Taschenstickerei 1


 

Taschenstickerei 2
Taschenstickerei 2

 

Auf den Taschen befinden sich zwei unterschiedliche Motive, diese Asymmetrie war im Rokoko durchaus üblich. Gestickt ist Schwarz auf Schwarz, wobei das Motiv zunächst mit Kettstichen "vorgezeichnet" (siehe Taschenstickerei 2 linke Seite) und dann überstickt wird.  

 

Hierzu ist Ende 2012 noch ein passender Dreispitz hinzugekommen. Basis war ein gekaufter Faschingsdreispitz, von dem die Faschingsdeko abgetrennt und neue Verzierungen angenäht wurden. Das Rot und die Messingknöpfe von der Weste wurden hier wieder aufgegriffen. Da das Outfit eher fürs jährliche Wave Gotik Treffen in Leipzig gedacht ist, ist hier natürlich weniger Wert auf historische Korrektheit gelegt. 

 

Dreispitz von links
Dreispitz von links

 

Dreispitz von rechts
Dreispitz von rechts

Zweites WGT-Rokoko-Outfit

Bei diesem Outfit wurde Seidentaft für die Hose und das Justaucorps verwendet. Die Weste besteht aus Seidenbrokat. Diese Variante dient als Vorabvariante zu einer historischen Version, die bestickt wird. Sie finden die Anleitungen im Aktuellen Projekt II.

WGT-Rokoko
WGT-Rokoko

WGT-Rokoko

Schwarze Robe á la Polonaise 

Als Basis für dieses Kleid wurde ein altes historisierendes auseinandergenommen und ergänzt. Als Grundschnitt diente Simplicity 3637. Allerdings haben wir hier die eingeplante Schnürung im Rücken und die Robe á la Francaise-typische Rückansicht weggelassen. Dafür haben wir das Vorderteil zweigeteilt, damit das Kleid vorn mit Haken und Ösen geschlossen wird. Hinten wurde der Rock an zwei Stellen mit Bändern nach oben gerafft und mit Rosen besetzt, wodurch die für Robe á la Polonaise typische Dreiteilung des Rockes entsteht.  

Polonaise Vorderansicht
Polonaise Vorderansicht

Polonaise Rückansicht
Polonaise Rückansicht

Dazu haben wir noch einen passenden Strohhut (genannt Bergère) genäht. Den Rohling gibt es beispielsweise bei Nehelenia Patterns (unter Hüte). Bei der Verzierung sind der Fantasie praktisch keine Grenzen gesetzt. Verwendet wurden meist bunte Bänder, Kunstblumen und Federn.Für den richtigen Halt benutzt man Hutnadeln, die problemlos in die Turmfrisur gesteckt werden können oder man näht zusätzlich noch Bänder an, die man entweder unterm Kinn oder im Nacken zusammenbinden kann. Wir haben zur Sicherheit beides gemacht.

Bergère
Bergère


Außerdem haben wir uns inzwischen auch darin versucht, eine Bergère mit Stroh als Meterware selbst herzustellen.

 

bestickte Bergère
bestickte Bergère

 

Unsere Erfahrungen und eine Anleitung dazu gibt es hier im PDF.

 

Rokoko-WGT-Kleid

 

WGT-Rokoko
WGT-Rokoko

 

Für dieses Kleid haben wir als Basis das Burda-Schnittmuster 2447 verwendet, allerdings stark abgewandelt. Im Original war hinten ein Reißverschluss eingeplant. Wir haben diese Naht geschlossen und stattdessen eine Haken-Ösen-Lösung an der Seite des vorderen Mittelteils vorgezogen. Diese wird dann durch die Rüsche verdeckt. Dazu mussten wir natürlich den oberen Rock vom unteren trennen und dem unteren einen eigenen Bund geben.

Außerdem waren am Oberteil vorn einige Änderungen erforderlich, da dieses für das Tragen eines BHs ausgelegt ist, wir jedoch eine Schnürbrust darunter tragen wollen, um die authentische Optik zu erreichen. Dazu haben wir die im Schnittmuster enthaltenen Rundungen etwas begradigt und die obere vordere Passe abgeändert. Auch die im Schnitt enthaltenen Ärmel sind doch eher für Fasching geeignet. Wir haben diese ebenfalls abgeändert. Die Poschen (oder Hüftstützen, wie es im Schnittmuster heißt) haben wir genauso übernommen, allerdings noch ein Pokissen eingearbeitet. Das Ganze wird komplettiert mit einer Bergère und einer passenden Kette.

 
Bergère
Bergère

 
Bergère

Robe á l'Anglaise als Kindervariante 

Minianglaise
Minianglaise

 

Für verschiedene Anlässe entstand in den letzten Wochen eine Anglaise im Kleinformat. Dafür haben wir das Schnittmuster von JP Ryan entsprechend verkleinert. Die Chemise ist nach dem einfachen Rechteckschnittmuster hergestellt. Die Ärmel gehen dabei bis zum Ellenbogen und dort wird dann die Spitze angenäht. Wir haben die Ärmel weiter zugeschnitten als für eine Erwachsenenversion, da sich die kleine Trägerin in der Hauptsache wohlfühlen soll. Der Petticoat wurde zudem mit Trägern versehen, da so kleine Damen ja noch keine Taille haben, um ihn zu halten. Einen Unterbau gibt es nicht. Das Kleid wird vorn mit Knöpfen geschlossen, die unter der Frontrüsche versteckt sind. Der Stoffverbrauch betrug 1 m für den Petticoat bei einer Breite von 1,50 m. Wir haben den Stoff quer halbiert und somit 2 m Länge erhalten, die wir auf einen Bund geriehen haben. Ein wenig haben wir für die Auszier übrigbehalten. Hinten wird mit einem Band geschlossen. Damit ist der Rock verstellbar und passt etwas länger. Für die Anglaise haben wir 2 m Stoff bei einer Breite von 1,20 m benötigt. Damit es nicht zu kühl wird, gibt es noch ein kleines Fichu aus Batist und eine Haube aus dem gleichen Stoff. Schnittmuster folgen.