Outlander - ein Cosplay

Wer die Bücher von Diana Gabaldon gelesen hat, wird wie wir schnell dem Fieber der schottischen Highlands erlegen gewesen sein. Nachdem 2015 nun auch die Serie dazu herausgekommen ist, war klar, dass wir die Kostüme der Darsteller auch brauchen. Damit ist gewissermaßen unser erstes Cosplay geboren.

 

Was ist anders als bei historischen Gewändern? Zuerst einmal ist zu sagen, dass die Gewänder der Serie meistens wunderschön aber oft nicht wirklich authentisch sind. Schnittführung und Unterbauten gerade der Damen sind recht fantasievoll gestaltet und haben oft mit der Wirklichkeit nicht ganz so viel zu tun. Aber immerhin gibt es Schnürbrüste und Pannier und die Grundlinie stimmt in aller Regel. Zumindest in der ersten Staffel. Über die Gewänder, die bisher von der zweiten Staffel zu sehen waren, wollen wir lieber den Mantel des Schweigens breiten.  Damit ergibt sich aber auch für uns eine gewisse Freiheit in der Gestaltung. Wir werden zwar Schnitte des 18. Jahrhunderts verwenden, müssen aber nicht ganz so viel recherchieren wie bei den historischen Projekten.

 

Was wir machen wollen

 

Es werden ein Gewand für den Herrn und eins für die Dame entstehen. Da in unserem etwas fortgeschrittenen Alter die Darstellung von Jamie und Claire ein wenig lächerlich erscheint - das machen ja auch alle - haben wir uns für das Herrenoutfit von Dougal McKenzie entscheiden. Dazu würden sich für die Dame natürlich Geillis Duncans Gewänder anbieten. Aber die gefallen mir nicht so und ich bin ja auch Ehefrau meines Mannes und nicht seine Geliebte. Also werde ich die in der Serie nicht vorkommende Maura McKenzie sein.

 

Los geht es mit  

 

Dougals Outfit

 

Er trägt, wie im 18. Jh. üblich die Kniebundhosen, Hemd, Weste und Justaucorps. Die Schnitte dafür haben wir ja bereits erstellt und im Rokokoprojekt beschrieben. Für das Hemd haben wir feines Leinen verwendet. Die Hose besteht aus einer etwas dickeren Winterwolle.   

 

 

 

 

Weiter geht es mit der Weste. Dazu mussten wir den vorhandenen Rokokoschnitt abändern, da um 1740 die Westen noch länger waren. Dougals Weste ist auch unten gerade geschnitten.  Der Schnitt entspricht in etwa diesem hier.  

 

Wir haben daher den Schnitt in soweit verändert, dass wir das Rückenteil um ca. 5 cm gekürzt haben und das Vorteil um 8 cm verlängert. Außerdem ist die Frontlinie begradigt worden und die Tasche wird gerade und größer.  

 

Westenschnitt 1740

 

 

Vernäht wird wieder, indem beide Stoffe getrennt verarbeitet werden und die Rückennaht des Futterstoffes vorerst nicht geschlossen wird. Dann werden alle Außenkanten verbunden und das Ganze verstürzt. Die Rückennaht wird nun von Hand geschlossen. Diese Vorgehensweise ist im Rokokoprojekt ausführlich beschrieben, daher gehe ich hier nicht näher darauf ein.  

Weste Barock

Rückansicht Weste

 

Als Nächstes folgt das Justaucorps. Auch hier werden wir wieder auf den vorhandenen Schnitt zurückgreifen und diesen an die etwas früheren Jahre anpassen.  

 

Dazu wird die Frontlinie gerader gestaltet und die Armausschnitte etwas erweitert. An den Ärmeln werden an den Außenseiten des Schnittmusters jeweils 1,5 cm zugegeben, da die Ärmel zu dieser Zeit noch weiter sind. Das Rückenteil und die Taschen bleiben unverändert. Der Kragen entfällt.   

 

 

Vorderteil

Rückenteil

Ärmel
Ärmel


Nun wird im Schulterbereich eine Einlage aus festem Stoff eingearbeitet. Rosshaar geht auch sehr gut. Dann werden alle Teile miteinander vernäht. 

Innenansicht Dougals Justaucorps
Innenansicht

 

Auf das Futtervorderteil wird ein Besatz aufgenäht.   

 

Besatz
Besatz

 

Dann werden Futter und Stoff an den Vorderkanten und am Halsausschnitt rechts auf rechts miteinander verbunden, gewendet und sehr gut ausgebügelt.  

 

Der untere Saum wird mit der Hand genäht. Dabei bleiben die Seitenschlitze offen. Dort wird genau wie hinten lediglich das Futter gegen den Oberstoff versäubert. Zum Schluss wird hinten oberhalb des Schlitzes rechts und links ca. 5 cm eingeschnitten und die Rückenfalten soweit eingezogen, dass sie in der Mitte einen Schlitz bilden. Danach werden die überstehenden Enden angenäht und zur Versäuberung ein Stoffstreifen aufgesetzt - innen sowie auch außen.  

 

Rückenansicht Justaucorps Dougal
Rückenansicht

 

Nun sind die Ärmelaufschläge an der Reihe. Um 1740 waren die noch relativ groß. Daher haben wir sie 20 cm hoch gemacht. Dazu werden 3 Teile zugeschnitten: ein Stoffteil 22 cm hoch, ein Einlageteil, 22 cm hoch und ein Stoffteil 25 cm hoch. Diese werden vernäht, gewendet und ausgebügelt.  

 

 

Dann wird das kürzere Teil rechts auf rechts auf den unteren Saum des Ärmels genäht. Anschließend das längere darüber ziehen, umschlagen und auf der Rückseite festnähen.  

 

 

Danach werden die Aufschläge oben mittels 2 Knöpfen verbunden.  

 

 

Danach werden die Knöpfe angenäht und die Knopflöcher gemacht. Insgesamt benötigen wir 25 Knöpfe. Sieben für die Front, jeweils zwei auf die Falten an der Seite, je 3 pro Tasche sowie je 5 für die Ärmel.   

 

 

 

Zuletzt gibt es noch ein Plaid, das aus einer Stoffbahn von 4,00 m x 1,50 m besteht und eine Kragenbinde 2,00 m x 4 cm .  

Outlander - Dougals Outfit


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Mauras Outfit

 

Für die Dame wird es eine Rock-Kurzjacke-Kombination geben, wie sie Claire es öfteren trägt. Allerdings nicht mit dem in der Serie etwas übertriebenen Weiberspeck, sondern mit einem damals üblichen gequilteten Petticoat. Schnürbrust und Chemise sind ja bereits vorhanden und werden auch im 18. Jahrhundert ausführlich beschrieben.

 

Für den Petticoat benötigen wir 2 x 2,70 m Stoff bei einer Breite von 1 m sowie 2,70 m Wollvlies 0,8 m breit. Dazu noch ein wenig Stoff für den Bund.  

 

Wir legen die 3 Bahnen - Stoff/Wollvies/Stoff -  übereinander und heften sie an vielen Stellen fest. Dabei soll das Wollvlies oben und unten jeweils ca. 10 cm vom Stoff überlappt werden. Nun wird ca. 12 cm vom oberen Rand mit der Hand eine Naht gemacht, die alle 3 Schichten verbindet. Dabei sollte gut darauf geachtet werden, dass sich nichts verschiebt. Wenn diese Naht gemacht ist, sind die Stoffe zumindestens grundlegend arretiert und es kann an die Absteppungen gehen.  

 

Gequilteter Petticoat

 

 

 

Ich habe Stoff verwendet, der eine Diagonalmusterung ausweist, so dass ich mir die Vorzeichnung sparen konnte und einfach nur abzählen musste. Nun müssen die Stoffe gut gegeneinander verschiebungssicher arretiert werden. Dazu heften wir zuerst den unteren Stoff an einigen Stellen an das Vlies und dann den oberen mit vielen Nadeln entlang der ersten Absteppung darauf. Gesteppt wird im Rokoko - natürlich - mit der Hand. Da es sich aber um ein Cosplay handelt und meine Maschine diesen sehr praktischen Handnähstich hat, mache ich das mit der Maschine.  

 

 

 

Es ist trotz allem noch sehr viel Arbeit, da jede Naht arretiert werden muss. Wenn allerdings eine Richtung gesteppt ist, geht es schneller, weil sich nichts mehr verschieben kann.   

 

 

 

Zum Schluss wird der Saum versäubert und der Bund angenäht. Dabei die meiste Weite auf die Rückseite verteilen und vorn weniger Falten legen.  

 

Outlander Quilted Petticoat

Outlander Quilted Petticoat

 

Für den Rock habe ich eine Stoffbahn von 3 m x 1,15 m zugeschnitten und diese in Falten gelegt - auch hier wieder mehr Weite nach hinten legen. Geschlossen wird an der Seite.   

 

 

Outlander Moiras Rock

Outlander - Moiras Rock

 

Für die Jacke verwende ich einen Schnitt aus Costume Close up, den ich allerdings etwas abgeändert habe.

 

Outlander Zuschnitt Jacke

 

 

  

Die Teile werden aus Samt und aus etwas dickeren Leinen jeweils zweimal zugeschnitten. Dann werden die Nähte entsprechend geschlossen. Dabei bleibt hinten ein Schlitz.  

 

Outlander  - Jacke

 

Danach wird rechts auf rechts Futter und Oberstoff bis auf die untere Naht miteinander verbunden, dann wenden und den unteren Saum mit der Hand vernähen.  

 

Zum Schluss kommen Schnürösen im Abstand von 4 cm hinein.  

Rokokojacke Outlander

 

Der Stecker besteht aus insgesamt 5 Lagen: innen 2 mal Leinen, 1 mal Steifleinen - hier bitte nicht das ganz feste Steifleinen verwenden, wie es z.B. Nehelenia anbietet. Wir haben das von Kostuemkram.com verwendet, das hat die richtige Stärke. Außen haben wir eine Seite aus rosenholzfarbenem Samt und eine Seite aus der Wolle der Weste gemacht, so kann der Stecker gewendet werden. Die Claire-Methode, ihn einfach in die Schnürung zu schieben, funktioniert übrigens ganz hervorragend.  

 

Stecker Rokoko

 

 

Outlander - Moiras Outfit

 

Was jetzt noch fehlt, sind Armstulpen und ein gestricktes Schultertuch. Dafür haben wir die dickere Wolle von Finkhof verwendet. Für das Schultertuch werden ca. 300 g benötigt. Gestrickt wird mit einer Nadelstärke 5-6, je nachdem, wie fest man strickt. Wir haben mit 10 Maschen angefangen und in jeder Hinrunde jeweils 2 am Rand und zwei rechts und links der Mitte zugenommen. So entsteht die Dreiecksform.    

 

Schultertuch Outlander

Schultertuch Outlander

Dazu gibt es dann noch die passenden Armstulpen.

 

Outlander - Mauras Outfit