König der Purpurnen Stadt - Philippas Vogelkleid

Diesmal beschäftige ich mich mit einer für mich noch ungewohnten Zeit: dem Mittelalter. Schuld daran ist eigentlich die Schriftstellerin Rebecca Gablé. In ihrem Roman "König der purpurnen Stadt" beschreibt sie ein Kleid, das Königin Philippa trägt. Nachtblauer Samt mit aufgestickten Vögeln, die in Ringen aus Perlen sitzen. Mehr wissen wir erstmal nicht. Da auch nach mehrmaligem Lesen des Buches und vielen Jahren dazwischen die Faszination für ein solches Kleid nicht nachgelassen hat und derzeit keine dringenden anderen Projekte anstehen, dachte ich mir, ich könnte es ja endlich in Angriff nehmen. Dazu gibt es wie immer zuerst

 

Die Vorrecherche

 

Philippa lebte im 14. Jahrhundert und das Kleid taucht etwa um 1330 auf. Damals trug man in England die sogenannte Cotehardie, ein Kleid, das aus zwei Kleidern besteht, die übereinander getragen werden. Vorn wird es geknöpft. Knöpfe waren überhaupt außerordentlich beliebt zu dieser Zeit. Schwieriger war es, einen Beleg für die Stickereien zu finden. Glücklicherweise kam mir dabei eine Freundin zu Hilfe, die in Heidelberg studiert und dort Bücher zu Philippas Garderobe entdeckt hatte. Beschrieben wird darin einmal das Kleid, welches sie zu ihrer Krönung trug: die legendäre Eichhörnchensuit. Ein Gewand aus 9 m grünem Samt bestickt mit 256 goldenen Eichhörnchen. Außerdem wird erwähnt, dass sie zur Taufe ihres ersten Sohnes ein ebenfalls grünes Samtgewand trug, das mit goldenen Schmetterlingen bestickt war. Was die Stoffe angeht, so gab es damals noch keinen Baumwollsamt, sondern Seidensamt. Nach einigen Recherchen gelang es mir auch ordentlichen zu finden. Damit konnte es nun losgehen.  

 

Die Schnitterstellung

 

Zur Schnitterstellung habe ich Evolution of Fashions zu Hilfe genommen. Allerdings war das dort enthaltene Schnittmuster nur schematisch, so dass ich zuerst ein Probeteil erstellt und danach ein eigenes Schnittmuster entwickelt habe:

 

Rückenteil
Rückenteil
Vorderteil  Unterkleid
Vorderteil und Ärmel des Unterkleides

 

Ärmel des Unterkleides

 

Nun sind auch die Stoffe da. Ein Seide-Wolle-Gemisch für´s Unterkleid und Seidensamt für obendrüber.  

 

 

Zuerst habe ich den Stoff für das Unterkleid rot eingefärbt. Dann die Teile vernäht. Die Ärmel werden allerdings nicht aus dem Wollstoff gefertigt, da sie später ja zu sehen sind und die Wolle passt nicht zu dem Samt. Dafür habe ich roten BW-Stoff und Seidenjaquard verwendet. Bei beiden Stoffen wird an der Innenseite eine normale Nahtzugabe und an der Außenseite, die später über den Ellbogen läuft ca. 2 cm Nahtzugabe zugegeben. Oben wird das Dreieck eingesetzt. Die Außennaht wird nur bis kurz über dem Ellbogen geschlossen.

 

 

Zuerst werden die Futterärmel so eingesetzt, dass die Naht nach außen (rechts) zeigt. Dann werden die Seidenärmel von Hand aufgenäht. Dann werden die beiden Teile an der Außennaht und unten gegeneinander versäubert und Knöpfe und Knopflöcher angebracht.  

 

Ärmel Cotehardie

 

Nun wird das Überkleid nach den gleichen Schnitt genäht. Dabei werden allerdings nur kurze Ärmel gemacht. Da diese ein wenig weiter sind, braucht es keinen Kleideinsatz. An die Ärmel werden die für den Kleidungsstil typischen Bänder angesetzt.

Cotehardie Überkleid

 

Nun kommen die Stickereien. Ich habe mir überlegt, dass eine extravagante Frau wie Philippa wohl eher keine Greife auf ihrem Kleid hätte haben wollen. Passender erscheinen mir Paradiesvögel, die im Mittelalter ebenfalls sehr beliebt waren. Diese sticke ich in den typischen Techniken - also kein Plattstich sondern Bouillontechnik und Auflegearbeit. Jeder Vogel ist etwa 5,5 cm groß.